Egal, wie sicher wir uns unser Meinung oder bei einer bestimmten Entscheidung sind: unsere aktuelle Position kann nur so gut sein, wie es die zu diesem Moment verfügbaren Informationen erlauben. Deshalb ändern wir mit der Zeit häufiger Meinungen, weil neue Erfahrungen hinzukommen, die unsere Einstellung in neuem Licht erscheinen lassen.

Um also allgemeingültigere Meinungen zu entwickeln oder sicherere Entscheidungen zu treffen, können wir entweder versuchen, alle Erfahrungen selbst zu machen (was angesichts der unendlichen Vielfalt der Welt ein aussichtsloses Unterfangen ist: selbst wenn wir einhundert Leben zur Verfügung hätten, könnten wir nicht alles nacherleben, was Mitmenschen, Mitglieder anderer Gesellschaftsformen und Personen anderer Lebzeiten erfahren haben), oder wir können alternativ aus den Erfahrungen anderer lernen, indem wir uns mit ihnen über ihr Leben, ihre Erfahrungen und ihre Einstellungen unterhalten.

Ich stelle aus genau diesem Grund älteren Generationen als meiner eigenen sehr gern die Frage, ob sie das, was sie in ihrem Leben getan haben, genau so wieder tun würden – die Antworten sind von unschätzbaren Wert, um die Welt(en) außerhalb meiner eigenen kennenzulernen und mich in diesen Welten zurechtzufinden (sei es im Familienleben mit eigenen Kindern, das ich noch nicht vorweisen kann, oder im geschäftlichen Leben zwischen Unternehmern und Angestellten, bei dem ich erst am Anfang meiner Karriere stehe). Immer, wenn ich später diese Welten betrete, die am Anfang immer unsicheres Neuland für mich sind, kann ich anhand dieser Erfahrungen in diesen Welten deutlich sicherer und strategischer zu agieren. Im geschäftlichen Leben zahlt sich das erfahrungsgemäß sogar finanziell aus – weshalb der Volksmund nicht zu Unrecht behauptet, Erfahrung sei Gold wert.

Umso spannender ist also die Frage, worüber die Menschen ihre Meinung geändert haben. Und warum. Vor allem, wenn man gestandene Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft befragt. Das hat die Internetseite edge.org, ein „informeller Zusammenschluß von Intellektuellen“ (zeit.de), getan. Die Antworten sind in ihrer Tragweite vielleicht gar nicht so monumental, wie man auf den ersten Blick denken mag – zeugen aber von einem Tiefgang, aus dem man nur lernen kann:

edge.org World Question 2008: What have you changed your mind about. And why?