In Zusammenhang mit dem Web 2.0 höre und lese ich immer wieder von einer zweiten Dotcom-Blase. Also dem neuerlichen Überwerten einer Marktentwicklung, bei der ein Übermaß an Enthusiasmus und Optimismus zu Geschäftsmodellen führt, denen eine realistische wirtschaftliche Basis fehlt (die meisten Geschäftsmodelle damals wie heute haben sicherlich eine wirtschaftliche Basis, das steht ausser Frage. Die Frage ist eher, ob der Businessplan eine realistische Basis hat – wenn Zahlen schön gerechnet und optimistisch geschätzt werden, hat der Geschäftsführer nämlich §252 Abs. 1 Satz 4 HGB, das Vorsichtsprinzip, noch nicht richtig verstanden und handelt damit in meinen Augen fahrlässig).

Also. Sind wir wieder an diesem Punkt? Sorgt der neuerliche Optimismus auf den Märkten für eine Überwertung der Marktentwicklung und damit zu einem Hype? Es steckt viel Aufbruchstimmung und Optimismus in der Newmediabranche, das ist unbestritten. Aber ich denke die Anleger sind heute realistischer als damals. Zumindest die, die sich damals die Finger verbrannt haben. Xing (vormals OpenBC) ist diese Woche an der Börse gestartet und gilt als einer der Web 2.0 – Vorzeigedienste. Gute Vorzeichen also für eine gehypten Börsenstart. Der Markt hat auf die Emission dennoch recht verhalten reagiert. Ein gutes Zeichen, weil das eher von Realismus und Pragmatismus auf Anlegerseite zeugt, statt von Optimismus, Enthusiasmus und Dotcom-Blase. Und mit Realismus und Pragmatismus lässt sich besser Geld verdienen als mit Optimismus. Wenn man es richtig anpackt, lohnt sich das Internet für Unternehmen definitiv.